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2018 12 Tipp im Dezember: Dramapädagogik, Selbstkompetenz und Professionalisierung

Performative Identitätsarbeit im Lehramtsstudium Englisch.
von Haack, Adrian (2018). Wiesbaden: Metzler. [371 S., ISBN 978-3-658-19950-0]

Ausgehend von berufsfeldbezogenen Anforderungen im Fremdsprachenunterricht unternimmt Adrian Haack den Versuch, auf die Relevanz theater- bzw. dramapädagogischer Arbeitsweisen während des Lehramtsstudiums für Anglistik hinzuweisen. So werden innerhalb dieser außerordentlich interessanten Lektüre, Fragen zu berufsrelevanten Veränderungen im Bereich der Selbstwahrnehmung, der eigenen Haltung und des Aufbaus pädagogischer und fachdidaktischer Kompetenzen durch reflektierte Theaterarbeit behandelt.
Haack macht zunächst an drei Modellen den Begriff der `Selbstkompetenz´ fest und definiert Selbstkompetenz von Lehrer*innen als „Bereitschaft sowie dem Vermögen, in professionellen Handlungssituationen – und in Vorbereitung darauf – das eigene Selbst (also die sich selbst eigenen, unbewussten Muster, Reaktionen, Selbstbilder sowie Emotionen) wahrzunehmen und ggf. auf ein professionelles Handeln hin zu regulieren“ (Haack 2018, S.39). In einem nächsten Schritt zählt er verschiedene Förderansätze zur Entwicklung der `Selbstkompetenz´ in der Lehrer*innenbildung auf. Hier weist er zunächst auf spielerische und ganzheitlich-visualisierende Vorgehensweisen, sowie auf therapeutische Arbeitsweisen hin, um dann zu theater- bzw. dramapädagogischen Arbeitsweisen überzugehen. Der Autor relativiert die Begriffsstreitigkeiten zwischen Theater- und Dramapädagogik, in dem er mit einem gewachsenen Selbstverständnis des Begriffs Dramapädagogik aus der fremdsprachlichen Fächertradition heraus argumentiert und eine Einordnung in die Theaterpädagogik als durchaus möglich erachtet, allerdings mit dem Hinweis, dass kritische Theaterpädagog*innen in Frage stellen, ob praktisch dramapädagogisch arbeitende Lehrer*innen immer über eine ausreichende ästhetische Grundausbildung verfügen und ob dramapädagogische Arbeit theaterästhetisch und auch theoretisch ausreichend fundiert würde. In der Tat, so der Autor, herrscht in der Praxis wohl eher ein untertheoretisierter Methodeneklektizismus „und auch in der Forschungsliteratur steht einer großen Menge an Praxisberichten eine eher geringe Zahl an theoretisch ausgearbeiteten Konzepten und empirischen Untersuchungen gegenüber, so dass eine weitere Fundierung und Erforschung dramapädagogischer Prozesse notwendig ist“ (Haack 2018, S.51f.).
Durch ausführliche Beispiele für Seminarkonzepte und deren Evaluation unterfüttert, zeigt Haack auf, wie mittels theater- und dramapädagogischer Arbeitsweisen u.a. die Sensibilisierung im Hinblick auf Körpersprache unterstützt werden kann, den Studierenden weitere Erfahrungen mit ‚alternativen‘ Rollen und Formen des Lehrens und Lernens und der Weg zu einem professionellen Selbstverständnis als Lehrer*in ermöglicht wird.
Es bleibt die Frage, warum das Konzept für Lehrer*innen explizit im Fremdsprachenunterricht entworfen wurde und daraus folgend, ob nicht in jedem Fach dessen je spezifische `Sprache´ erlernt werden muss. Das Argument des Autors, dass die Lehrkraft im Fremdsprachenunterricht quasi zu Türöffner*innen für fremde Welten wird (vgl. Haack 2018, S.62), lässt sich meines Erachtens auf alle schulischen Fächer übertragen. Gesamt gesehen ist das vorliegende Buch eine echte Bereicherung für die Lehrer*innenbildung.

Rezension von Julia Köhler
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